Endlich Frühling. Die Sonne meint es gut und es ist herrlich warm. Überall blühen Tulpen, Narzissen, Osterglocken. Die Menschen gehen entspannt spazieren – keine Hektik, Ruhe pur. Auch ich bin mit meiner Tochter an der Wuhle unterwegs, um das herrliche Wetter zu genießen.
Zwei Jugendliche kommen uns entgegen. Sie unterhalten sich angeregt. Sie sind dunkel – nach Rapper-Art - gekleidet, einer hat sich die Kapuze über den Kopf gezogen. Beide tragen jeweils ein kleines Kind auf dem Arm. Die Kinder sind höchstens ½ Jahr alt, sitzen zufrieden auf Papas Arm und schauen offen in die Welt. Völlig perplex staune ich die Gruppe an. Dunkle Kleidung, Kapuze auf dem Kopf – beängstigend. Kleine Kinder, sichtlich zufrieden und geborgen – Harmonie pur. Meine Gefühle fahren Achterbahn.
Die jungen Leute laufen an uns vorbei. Einer bemerkt meinen verblüfften Blick und macht den anderen darauf aufmerksam. „Cool, was?“ ruft der andere im Vorbeigehen. „Ja, cool. Echt cool sogar“, platzt es aus mir heraus. Und schon folgen zwei junge Frauen mit leeren Kinderwagen, ebenfalls in ein angeregtes Gespräch vertieft.
CaMo
Guten Appetit!
Ja, ich war auch eine schlechte Esserin, ebenso wie meine zweijährige Elli.
Kürzlich war ich wieder ganz verzweifelt. Meinen Kartoffelbrei wollte sie nicht und so entschied ich, einfach mal in die “Arche„ zu gehen, denn schließlich bekommt dort jeder ein warmes Mittagessen und in Gesellschaft isst es sich bekanntlich besser.
Am Eingang stand eine Gruppe Kinder im anfangenden Teenie-Alter. Ein Junge pöbelte mich an: “Wollen sie meine Freundin werden?„ “Oh ja, gerne!„ antwortete ich genervt und es ertönte schallendes Gelächter.
Es gab übrigens Paprikaschoten, die wirklich ziemlich gut geschmeckt haben, aber Elli hat nur ein paar Happen gegessen. “Was soll ich bloß machen, damit sie einigermaßen normal isst?„ fragte ich mich selbst und verließ die “Arche„. Beim Herausgehen musste ich mich wieder fragen lassen:
“Wollen sie meine Freundin werden?„. “Ja, immer noch (ihr kleinen Nervensägen)!„ Gelächter, was sonst!
Es war mir egal. Ich fing an, mit Elli zu meckern: “Elli, du musst was essen! Sonst wirst du nicht groß und stark!„ “Mama, ich will zu den Gag-Gag!„ war die einzige Antwort. Das sollte heißen, dass sie die Enten am Weiher hinter der Zerbster Straße besuchen will. Ich gab nach. Frische Luft tut gut und fördert den Appetit.
Dort angekommen trafen wir einen Mann im Rentenalter. Er trug einen prall gefüllten Dederon-Beutel und lächelte uns an. Ungefragt fing er an Elli zu tätscheln: “Ei, du bist aber süß!„ Elli wich zurück und ich sah ihn böse an. Beides störte ihn nicht. “Möchtest du auch die Enten füttern?„ fragte er und gab ihr eine trockene Scheibe Brot aus seinem Beutel. Die Naturschützerin in mir rebellierte. Wildtiere füttern - Das ist doch nicht gut! Die Mama in mir dachte sich jedoch: “Naja, die Kleine findet das sicher interessant und es ist ja nur eine Scheibe…” So gewann die Mama den Kampf und versuchte sogar dem älteren Herrn ein Lächeln zu schenken. Gemeinsam gingen wir zum Wasser.
Ein paar Momente habe ich nicht auf Elli geachtet bis ich plötzlich sah, dass sie fast eine halbe Stulle des alten Brotes aufgegessen hatte! “Elli, das kannst du doch nicht essen!„ rief ich fassungslos. “Na, die bekommt wohl nichts zu essen!„ schlussfolgerte der alte Mann und brach nicht anders als die Jugendlichen vor der “Arche„ in schallendes Gelächter aus.
von Janka Neumann

